Bergfest

SATIRISCHES

Schon um zwölf, bekommt der aufmerksame Beobachter mit, dass die ersten Bürokolosse mit den Füßen scharren. Hunger steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Deutlich und unverkennbar macht sich eine Unruhe breit, die darauf hindeutet, dass die Mittagspause nicht mehr weit entfernt ist. Bereits um viertel nach zwölf, bekommt die Auszubildende, mit den dicken Glocken und den blonden langen Haaren, eine besondere Aufgabe, die ihre vollste Aufmerksamkeit und Konzentration fordert. Sie muss die Bestellungen der Angestellten aufnehmen und diese, telefonisch, dem lokalen Döner-Laden übermitteln. Hier darf ihr kein Fehler passieren, denn sie will auf keinen Fall das Unmut bei Ihren Kollegen aufkommt. Schnell gerät sie sonst unter die imaginären Räder und wird noch mehr als schon jetzt zum Gespött der meist fettleibigen, alternden Angestellten, denen eine ausgewogene Mahlzeit von der türkischen Fressbude, dem italienischen Pizza-Dealer oder der gutbürgerlichen Frittenschmiede, in deutscher Hand, wichtiger ist als alles andere. Das Highlight des gesamten Arbeitstags. Miefige Fritten mit phosphathaltiger Currywurst, knoblauchgetränktes Fladenbrot mit ranzigem Fleisch und matschiger Salateinlage, oder steinharte Pizza mit zwei bis drei Scheiben Salami und ein wenig geriebener Käse sind immer noch besser als alles was die Alte daheim auf das kleine Esstischchen, der muffigen Küche, zaubert.


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Veröffentlichte Versionen

  • Bergfest 1.2 (20. Juli 2020)
„Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“

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